„Wir müssen uns wehren gegen die modische Verbreitung des Belanglosen. Wer gute Inhalte liefert, der bleibt begehrt.“ (Hans Werner Kilz, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung)
Über Journalismus im digitalen Zeitalter sprach Kilz am 11. Oktober auf dem Kommunikationskongress in Berlin.
"Eine beeindruckend platte Wagner-Pizza – jede Menge Belag auf dünnem Boden", schreibt Werner Theurich auf Spiegel Online zur Opern-Premiere in Bayreuth. "Ob Wagner-Fan oder nicht, dem Leser macht solch brillant bildhafte Sprache Lust, diese Kritik zu lesen", findet Michel Deutsch.
Da haut’s den Michel aber doch fast aus den Schlappen. Jetzt geht das schon wieder los. Kaum haben die Politgurus aus Berlin und Brüssel völlig schmerzfrei die Tabakwerbung verboten, kaum hat sich die Diskussion um Werbeverbote, - gebote und –selbstbeschränkungen ein wenig beruhigt, da treiben die Seehofers, Künasts und Konsorten, kurz die Lichtgestalten des Guten und Wahren, die nächste Sau durch’s Dorf: Werbeverbote und Kennzeichnungspflichten für bestimmte - und natürlich nur die ganz schädlichen – Lebensmittel.
Die PR-Gurus raunen von Web 2.0, weil das bei der hübschen, blutjungen Praktikantin als ultramodern gilt. Also so saugut wie der saugute Media Markt. Wir sind doch nicht blöd. Was IKEA für das Wohnen getan hat, das ist Web 2.0 für die Netzkommunikation. Was die „Platte“ für die Architektur getan hat, das leistet Web 2.0 für die Interaktivität. Was sich früher nur schwangere Frisösen auf dem Mädchen-WC erzählten, dürfen nun alle hören. Und mitreden!
Alle Jahre wieder ... da ist es soweit! Da steht Weihnachten vor der Tür. Da suchen wir das ideale Geschenk. Da ist es draußen kalt. Da sorgen wir für festliche Stimmung. Alle Jahre wieder... da wird uns warm uns Herz. Da sind wir im Einkaufsstress. Da geht der Run auf die Geschäfte los. Da haben wir nur eine Sorge: Weihnachten naht und noch kein Geschenk? (Alles Originalzitate aus Pressemitteilungen!)
Es ist gut, wenn Training und Weiterbildung wieder einen höheren Stellenwert in den europäischen Unternehmen bekommen. Gut für die Mitarbeiter, denn sie qualifizieren sich nicht nur besser, sondern gewinnen in der Regel auch deutlich mehr Arbeitsfreude. Gut für die Firmen, denn sie können sich auf bessere und motiviertere Mitarbeiter verlassen. Auch gut für die Gesellschaften in Europa, denn sie erleben nicht nur Lippenbekenntnisse sondern Taten.
Welch Euphorie! Die Fußballwelt schaut auf Deutschland und freut sich. Die Deutschen schauen auf sich selbst und wundern sich. Überall schwarz-rot-gold. Deutschland zeigt Flagge. Die BILD-Zeitung fragt: „Woher kommt unser neues schönes Nationalgefühl?“
Da saßen sie um einen Tisch und schwadronierten die Welt rund. Der Kaiser (ja der), ein Gott (André Heller) und ein Weichei namens Reinhold Beckmann. Und sie verstanden sich prächtig.
Die Kartellwächter und Medienkontrolleure haben den Fusionsplänen derer von Springer, RTL & Co einen Riegel vorgeschoben. Gut so! Denn eine freie und pluralistische Gesellschaft braucht freie und pluralistische Medien. Meinungsvielfalt geht vor Aktionärseinfalt.
Schon wieder eine niederschmetternde Nachricht: „Moderne Telefoncomputer werden in den nächsten Jahren Arbeitsplätze in deutschen Call Centern zu Hunderttausenden vernichten.“ So lautet das Ergebnis einer Studie von Interactive Intelligence Europe.
Michel schmunzelt. „Manchmal sind sie ja richtig putzig, diese Sprachschützer“, raunt er. Hat doch der Verein Deutsche Sprache (VDS), ansonsten beschäftigt mit der steten Abwehr englischer Begriffe im Deutschen, nun das Internet(z) entdeckt.
Erlebnisse und Gedanken auf der Autobahn: "Achtung! In 50 km Behinderung durch Gegenstände auf der Fahrbahn." Michels Navigationsgerät arbeitet so präzise wie die öffentlich-rechtlichen und privaten Verkehrssender.
Was für eine Aufregung. "Skandalöser Vorgang", "Verschwendung" schallt es aus der FDP. Die Grünen schütteln das schüttere Haupt. Was ist passiert? Ganz einfach: ein Relaunch.
Man findet ihn ausschließlich hier im Internet. Noch nie hat ihn jemand live erlebt oder in natura gesehen. Aber er liest, sammelt und kommentiert fast alles, was ihm unter die Nase kommt.
Zum "Unwort des Jahres 2004" kürte die deutsche Sprachforscher-Jury den Begriff "Humankapital", denn die Bezeichnung degradiere Menschen zu "nur noch ökonomisch interessanten Größen."