Olivia und Popeye oder: Visuelle Verführung 4.0

Olivia und Popeye oder: Visuelle Verführung 4.0

Eine Glosse von Susanne Czernick

Kommunikation 4.0 ruft nach Visualisierung. Mit Fotos, Grafiken, Zeichnungen. Für Posts, Beiträge, als Absenderbild oder gleich als ganzer Insta-Beitrag. Denn visualisierte Botschaften wecken Aufmerksamkeit, unterhalten, sind plakativ und manchmal mit Augenzwinkern. Einverstanden. Wenn es im richtigen Maß ist. In der Sparkassen Push-Tan-App dreht ein illustriertes Paar am Rad und verkürzt die Zeit, bis die Tan erstellt ist. Die beiden erinnern mich an die Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel von Olivia und Popeye. Bei Microsoft Teams schaut der deutlich freundlichere, jüngere Bruder von Kapitän Haddock versehen mit einem Fragezeichen aus einem rosafarbenen Bullauge. „FAQ öffnen“ steht darunter. Die Corona-Warn-App illustriert, wie ich mehr Sicherheit für mich und meine Veranstaltungsgäste schaffe: Haddocks kleiner Bruder steht am Flipchart und gibt Olivias und Popeyes Nachfahren Anweisungen.

Das ist auch so weit alles in Ordnung. Ich schätze Visualisierung, Fotos, Zeichnungen. Weil sie Assoziationen wecken und Kreativität. Aber vielleicht sollten wir es nicht übertouren mit den sympathischen kleinen Männchen und Frauchen. Wir müssen nicht jede Botschaft auch noch in lustigen Stereotypen malen. Sie wird sich über das Kind in uns nicht fester festigen. Manchmal reicht einfach nur das Wort.